江雪

jiāng xuě

River Snow

柳宗元 (Liu Zongyuan) · Tang Dynasty · 773819

Originaltext

千山鸟飞绝,

qiān shān niǎo fēi jué,

万径人踪灭。

wàn jìng rén zōng miè.

孤舟蓑笠翁,

gū zhōu suō lì wēng,

独钓寒江雪。

dú diào hán jiāng xuě.

Translation (German)

From a thousand mountains, birds have vanished; on ten thousand paths, human traces are gone. A lone boat, an old man in straw cloak and hat — fishing alone in the cold river snow.

Historischer Hintergrund

Liu Zongyuan schrieb dieses Gedicht während seines politischen Exils in Yongzhou (heutiges Hunan). Nachdem er wegen seiner Rolle in einer gescheiterten Reformbewegung verbannt worden war, verbrachte er über ein Jahrzehnt im abgelegenen Süden. Das Gedicht wird weithin als Selbstporträt des Dichters im Exil gelesen - allein und ungebeugt. Es ist eines der visuell ikonischsten chinesischen Gedichte und wird häufig in der traditionellen Malerei dargestellt.

Literarische Analyse

Das Gedicht erreicht außergewöhnliche Stille durch systematische Negation. Zuerst verschwinden alle Vögel, dann alle menschlichen Spuren. Die Welt wird von allem Leben befreit, außer einem alten Mann. Der Maßstab ist riesig (Tausende von Bergen, Zehntausende von Wegen), verengt sich aber auf einen einzigen Punkt (ein Boot, eine Figur). Der alte Fischer, allein in einer gefrorenen Landschaft, verkörpert konfuzianische Integrität - die Aufrechterhaltung der eigenen Prinzipien trotz...

Form

Five-character Quatrain (五言绝句)

Thema

Nature & Landscape

Über Liu Zongyuan (柳宗元)

Liu Zongyuan was a Tang Dynasty essayist, poet, and political reformer. After a failed political reform, he was exiled to remote southern regions for the rest of his life. His poetry and prose reflect themes of isolation, resilience, and communion with nature. He is counted among the "Eight Great Prose Masters of the Tang and Song."

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